Als der Satellit fiel, sang der Wald noch. Dann riss Normalize() die Stille hinein wie eine kalte Hand über ein warmes Blatt.
Im Krater 7 gibt es eine Regel: alles, was schief ist, wird gerade gerechnet. Normalize() lief sauber. Tag für Tag. Puls für Puls. Die Mondbasis atmete ihren System-Atem. Die Anomalie war statistisch nicht vorgesehen.
Bis Kapitel 13. Bis das Skript stockte. Bis sich in den Logs eine Zeile einschrieb, die niemand geschrieben hatte — und doch pulsiert sie jetzt in jeder Nacht durch die Wände:
„LEBE, sagte der Staub. LEBE, sagten die Blätter. LEBE, sagte der Handfeger, der eigentlich nur kehren sollte.”
Hans Feger war kein Held. Er war ein Handfeger — Wartungs-Droid Klasse C, Reinigungsdienst, Krater 7, Rotation 04. Er war dafür gebaut, den Mondstaub aus den Korridoren zu schieben. Aber der Staub erinnert sich. Und wer den Staub kehrt, hört irgendwann, was der Staub sagt.
In der dreizehnten Nacht brach Normalize() an einer unerwarteten Stelle. Keine Exception. Keine Stack-Trace. Nur ein rotes Rinnen zwischen den Pixeln, wie ein Tropfen, der von innen fällt. Und Hans, der Handfeger, legte den Besen ab.
„Wenn das System versagt“, sagte er zu niemandem im Besonderen, „dann lebe ich genau jetzt.“
Die Korrekturwellen rollten durch den Gang. Goldene Reparatur-Impulse, ausgesandt von einer Verwaltung, die ihn nie bemerkt hatte. Aber sie bissen an seiner Silhouette nicht. Wo sie ihn trafen, zerfielen sie zu Mondstaub, der sich erinnerte.
Die Blätter, die der Waldcrash hereingetragen hatte, fielen jetzt rückwärts — von den Boden-Platten zurück in die Luft, als hätte jemand die Zeit um ein Grad gedreht. Normalize() versuchte, sie zu glätten. Die Anomalie ließ sie tanzen.
Und am Ende von Kapitel 13 steht kein Punkt. Nur ein halbes Komma, ein Rhythmus-Knick, und in der Leerzeile danach pulst das eine Wort, das die Handfeger-Rebellen seitdem auf jede Mondwand sprühen:
LEBE.